Gemeinsam für naturinklusive Gebäude: NABU Brandenburg und Vivara Pro

Wohnhäuser, Gewerbebauten und Infrastruktur prägen unsere Landschaft zunehmend. Oft zulasten von Arten, die früher selbstverständlich in Dörfern und Städten vorkamen. Schwalben, Mauersegler oder Fledermäuse finden immer seltener geeignete Quartiere. Gleichzeitig rückt eine Erkenntnis stärker in den Fokus des Naturschutzes: Gerade Gebäude könnten eine wichtige Rolle beim Erhalt der Biodiversität spielen.

Vor diesem Hintergrund haben der NABU Brandenburg und Vivara Pro Anfang des Jahres eine Zusammenarbeit begonnen. Ihr gemeinsames Ziel: Artenschutz nicht erst dann zu thematisieren, wenn Konflikte auftreten, sondern frühzeitig in Bau- und Planungsprozesse einzubringen. Fachlich fundiert, praxisnah und realistisch umsetzbar

Naturschutz trifft Baupraxis

Für viele Naturschützer*innen ist das Bauwesen bislang ein schwieriges Feld. Komplexe Abläufe, technische Anforderungen, wirtschaftlicher Druck. Genau hier setzt die Kooperation an. Der NABU Brandenburg bringt sein naturschutzfachliches Wissen, regionale Artenkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis ein.

Vivara Pro ergänzt diese Perspektive mit Erfahrung in der Entwicklung gebäudebezogener Lösungen, die sich in Planung und Bau integrieren lassen. Im Mittelpunkt stehen dabei Maßnahmen für gebäudebewohnende Arten wie Vögel und Fledermäuse, etwa integrierte Quartiere oder Nistmöglichkeiten, die baulich mitgedacht werden können, statt nachträglich „angehängt“ zu werden.

Entscheidend ist der gemeinsame Ansatz: Nicht das einzelne Produkt steht im Fokus, sondern die Frage, wie Gebäude als Teil von Lebensräumen verstanden und entsprechend gestaltet werden können. Die Produktentwicklung beginnt nicht beim Produkt selbst, sondern bei der Analyse des Gebäudes, seiner Umgebung und der artenspezifischen Anforderungen. Durch diese ganzheitliche Herangehensweise entsteht ein naturinklusives Bauen, das skalierbar und zukunftsfähig ist.

Ecologisch onderzoek door een ecoloog van Vivara Pro
Abbildung einer gewöhnlichen Zwergfledermaus, die in einem Fledermauskasten aus Holzbeton von Vivara Pro lebt.

Zwischen Pflicht und Bereicherung

In der Zusammenarbeit mit dem NABU und regionalen Partnern werden praktische Anwendungen für verschiedene Gebäudetypen entwickelt – vom Wohnungsbau über Gewerbeimmobilien bis hin zur Infrastruktur. Dabei wird zwischen bereits etablierten Lösungen und solchen unterschieden, die sich noch in der Forschungs- oder Testphase befinden. Transparenz ist zentral: Es wird gezeigt, wo konkrete Anwendungen bereits möglich sind und wo aktiv an neuen Technologien gearbeitet wird. Dieser „Work-in-Progress“-Ansatz unterstreicht den innovativen Kurs von Vivara Pro und macht deutlich, dass naturinklusives Bauen ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess ist.

Artenschutz ist längst kein freiwilliges Zusatzthema mehr. Gesetzliche Vorgaben verpflichten Bauherren und Kommunen zunehmend, ökologische Belange zu berücksichtigen. In der Praxis geschieht dies jedoch oft spät, mit entsprechendem Konfliktpotenzial. Aus Sicht der Kooperationspartner liegt hier eine zentrale Herausforderung, aber auch eine Chance.

Wenn ökologische Anforderungen frühzeitig berücksichtigt werden, lassen sich Lösungen finden, die sowohl den Bedürfnissen der Arten als auch den Anforderungen der Baupraxis gerecht werden. Die Zusammenarbeit zwischen NABU Brandenburg und Vivara Pro will dazu beitragen mit Beispielen aus der Praxis und einem offenen Blick auf bestehende Grenzen, diese Lücke zu schließen.

Dabei wird bewusst transparent gemacht, welche Maßnahmen bereits erprobt sind und wo noch geforscht oder getestet wird. Naturinklusives Bauen wird nicht als fertiges Erfolgsmodell präsentiert, sondern als Prozess, der fachliche Begleitung, kritische Bewertung und kontinuierliches Lernen erfordert.

Wissen sichtbar machen – Praxis erlebbar gestalten

Ein wichtiger Bestandteil der Kooperation ist die Wissensvermittlung vor Ort. Eine geplante kleine Freiluftausstellung macht gebäudebezogene Lösungen greifbar. Besucher*innen werden entlang verschiedener Installationen geführt und erhalten Erläuterungen zu Funktion, Design und ökologischem Nutzen. Diese Ausstellung verbindet Theorie und Praxis und zeigt, wie Naturschutz konkret in Bauprojekten umgesetzt werden kann. Gleichzeitig bietet sie Raum für den Dialog zwischen Bauprofis, Ökolog*innen und Entscheidungsträger*innen.

Für unsere Leser*innen ist dies vor allem eines: eine Einladung. Zum Hinschauen, zum Nachfragen und zur Auseinandersetzung mit der Frage, welche Rolle Naturschutz künftig im Bauwesen spielen soll. Die Ausstellung soll nicht nur informieren, sondern auch den Dialog zwischen Naturschutz, Planung, Politik und Baupraxis fördern.

twee europese eekhoorns in een nestkast van Vivara Pro
Huismus op een dakpan als symbool voor natuurinclusief bouwen – architecten creëren samen met voorzieningen voor de huismus leefruimte voor stadsvogels

Gemeinsam weiterbauen

Die Zusammenarbeit zwischen NABU Brandenburg und Vivara Pro ist langfristig angelegt. Durch die Verbindung von Innovation, lokalem Know-how und Praxiserfahrung entsteht eine solide Grundlage für naturinklusives Bauen in Deutschland. Diese Partnerschaft ist ein Startpunkt: In den kommenden Monaten werden neue Erkenntnisse, Projekte und Entwicklungen geteilt mit dem gemeinsamen Ziel, Gebäude zu schaffen, die nicht nur für Menschen funktional, sondern auch für die Natur wertvoll sind. Denn wenn Gebäude künftig nicht nur Wohn- und Arbeitsräume für Menschen sind, sondern auch Lebensräume für Tiere, dann ist das ein Gewinn für die Biodiversität – und ein konkreter Ansatz, Naturschutz im Alltag sichtbar und wirksam zu machen.

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